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Peter Høeg: Die Kinder der Elefantenhüter

Aktualisiert: 23. Aug. 2023

|Erstveröffentlichung 2022| Literatur & Film durch das Sternenglas betrachtet Teil 4



Ich lache so gern. Wer mir Geschichten erzählt, die mich zum Lachen bringen, hat gewonnen. Wenn Humor mit spiritueller Suche, mit Sensibilität und Menschenliebe gepaart auftritt, gehe ich gleichzeitig vor Lachen und Ehrfurcht auf die Knie. So geschehen bei diesem Roman, den ich gleich nochmal von vorne lesen muss. Dazwischen ein kurzer Bericht, wie die Sache astrologisch einzuordnen ist.

Es ist indirekt viel vom Archetypus Schütze die Rede: vom Glauben, von Anmaßung, von Selbstüberhöhung, von Religion und von Lebenszielen. Das alles gehört zum Schützen, keiner der zwölf astrologischen Archetypen hat nur gute oder nur schlechte Seiten. Humor liegt ebenso im Schützen wie der vermeintliche Fund des Steines der Weisen. In einer normalen Buchbesprechung würde ich niemals verraten, dass auch die Elefanten, um die es im Buch geht, unserem inneren Schützen zuzuordnen sind. Aber es geht in dieser Rubrik ja um das Auffinden astrologischer Archetypen – also müssen wir da jetzt durch, dass ich es vor der Zeit verrate. Einen Elefanten hütet, wer sich zu Höherem berufen fühlt. Zu höherem, als vielleicht gut für einen selbst und die Welt sein mag. Im Buch ist es einer der wunderbaren Momente des Erstaunens, wenn man selbst entdecken darf, was die Rede von den verflixten Elefanten eigentlich soll. Ihr werdet beim Lesen immer noch genug Vergnügen haben, auch wenn Ihr das jetzt also schon wisst.

Unsere Gotteserfahrungen finden wir im Schützen selbst sicher nicht. Die Religionen aller Welt können im günstigsten Fall einen Weg dorthin anbieten. Mit den Religionen, machen wir uns gleichsam wie mit unserer inneren Schütze-Kraft und unseren inneren Elefanten auf den Weg, welcher uns vielleicht, ganz vielleicht, einmal zu echter Spiritualität führen kann. Spiritualität selbst jedoch steht auf einem ganz anderen astrologischen Blatt. Spiritualität finden wir im Zeichen Fische.

Der vierzehnjährige Hauptdarsteller Peter und seine zwei Jahre ältere Schwester Tilte haben in altkluger Weise, die immer souverän, extrem sympathisch und total ungekünstelt daherkommt, Spiritualität gepachtet – oder sie sind ihr jedenfalls dichter auf der Spur, als alle Erwachsenen im Buch. Diesen Zugang zu ihren Fischequalitäten brauchen sie dringend in diesem Krimi. Denn ja, ein Krimi ist das ganze, ein verrückter Plot, kapriolenschlagende Ereignisse mit Spannung und unerwartbaren Wendungen bis zur letzten Seite.

Die Energie des Sternzeichens Fische ermöglichen uns den Zugang durch die „Tür“ der Gefangenschaft des Ego. Das weiß Peter und er versucht alle paar Seiten zu beschreiben, wie es gelingen kann, die Tür zu finden. Er tut das mit Worten, die so völlig unpathetisch daherkommen und so selbstverständlich anmuten, dass man bald ganz genau weiß, wie man es selbst anstellen muss, und dass es sich absolut lohnt: die Tür zur Freiheit zu finden.

Fische ist aber auch: der glückliche Zufall, absolute Hingabe an etwas, Flexibilität – und Liebe. Mit alledem ist unser Held reichlich gesegnet. Verwirrung – ebenfalls ein Fische-Ding – spiegelt sich in den Entwicklungen der Kriminalgeschichte und ein heroinrauchender Graf verkörpert zumindest ein wenig eine der negativen Seiten des Archetypus Fische.

Die Kunst des Autors, vor der ich mich verneige: Das Buch sprüht vor Fantasie, er lässt skurrile Bilder mit Worten entstehen, welche überquellen voll Liebe zu den elefantenhütenden Protagonist*innen und die geeignet sind, die Leserin völlig aus dem Reich der echten Wirklichkeit zu entführen. Lies das Buch, lass dich nicht abschrecken von anfangs an der ein oder anderen Stelle etwas schwer zu ertragenden Abschweifungen, die Peter immer wieder einflicht. Es kommt der Punkt, an dem du das Buch nicht mehr aus der Hand legen magst. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (grottenschlecht verfilmt, das Buch dennoch wunderbar, wenn man den Film vorher NICHT gesehen hat) lieferte manch ähnliches Erstaunen und ist vom Stil her etwas vergleichbar. Der Autor von „Die Kinder der Elefantenhüter“ hat auch schon in „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ bewiesen, dass er fesselnd schreiben kann. Dieses Buch jedoch ist ein Solitär.

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